Die kleine Igelhilfe Amelinghausen e.V.

 

Bei schweren Verletzungen suchen Sie bitte sofort einen Tierarzt auf!

Leider kommt es in letzter Zeit gehäuft vor, dass wir mit wirklich schwer verletzen Igeln konfrontiert  bzw. um Hilfe gebeten werden. Die Verletzungen waren dann aber so schwer, dass wir auch nicht mehr viel tun konnten. Aber eben auch, weil zu viel Zeit verstrichen ist. Wenn der verletzte Igel aber gleich in die Tierklinik bzw. zum Tierarzt gebracht worden wäre, hätte er sicherlich eine Chance gehabt! 

Daher bitten wir Sie, wenn Sie ein schwer verletztes Tier finden, fahren Sie direkt in die Tierklinik/Tierarzt. Natürlich können Sie uns weiter im Vorwege kontaktieren und auch ein Bild schicken und wir unterstützen! Aber leider sind bei uns auch Grenzen gesetzt. Und manchmal zählt einfach jede Sekunde...

Igel gefunden und nun?

Generell ist zu sagen, dass man alle Igel erst mal hochheben sollte. Am besten tut man das, in dem man die Hand seitlich unter ihren Bauch schiebt. Dabei merkt man sehr schnell, ob alles in Ordnung ist. Denn ein gesunder Igel ist am Bauch warm, rollt sich ganz schnell ein, besitzt ein festes Stachelkleid mit dichten Stacheln, hat klare Augen, die nicht eingefallen sind und fühlt sich kugelig an.

Entfernen Sie ihn möglichst nicht aus seinem Wohnbereich. Igel sind sehr ortstreu und sehr eng mit ihrem Lebensraum verbunden. Falls Sie einen Igel an oder auf einer befahrenen Straße sehen, beobachten Sie die Laufrichtung, nehmen ihn dann hoch und setzten Sie ihn sicher laufrichtungsausgerichtet ab. 

Igelsäuglinge entdeckt? Bei kleinen Igelbabys, die tagsüber sowie auch nachts allein außerhalb des Nests gefunden werden, kann man davon ausgehen, dass die Kleinen ihre Mutter verloren haben und somit verwaist sind.

Bei Igelkindern (ca. 3-4 Wochen alt), die tagsüber allein auf Futtersuche sind, stimmt in der Regel auch etwas nicht! Denn normalerweise sind sie immer in Begleitung der Mutter und igelüblich dämmerungs- und nachtaktiv. 

Hauptwurfzeit ist in unseren Gefilden Anfang August: 

Gewicht

Alter

Merkmale

10 - 15g

0 – 1 Tage alt

Geburtsgewicht, rosa Haut, weiße Stacheln, Augen und Ohren geschlossen

30 - 50g

1 Woche

Rosa Haut, Augen und Ohren geschlossen, einzelne dunkle Stacheln

60 - 80g

2 Wochen

Graue Haut, dunkle Stacheln, Augen und Ohren öffnen sich, der Fellflaum   wächst

80 -130g

3 Wochen

Graue Haut, dunkle Stacheln, Zähne stoßen durch, das Fell wird dicht,   erste feste Nahrung, erste Ausflüge

140 -180g 

4 Wochen

Graue Haut, dunkle Stacheln, Zähne sind komplett

250g

6 Wochen

Die kleinen Igel werden flügge aber suchen immer noch die Nähe der Mutter und der Geschwister

350g

8 Wochen

Die Igelkinder suchen sich ihr eigenes Revier

Wenn im September/Oktober umherstreifende Jungigel mit einem Gewicht unter 400g aufgefunden werden, sind sie eindeutig zu leicht für den Winterschlaf. Die Jungtiere versuchen mit zusätzlicher Futtersuche tagsüber die fehlenden Fettreserven zu ergänzen, meist jedoch ein hoffnungsloses Unterfangen. Denn der zusätzliche Energieaufwand führt in aller Regel dazu, dass sie noch weiter an Gewicht verlieren. Das führt dazu, dass sie irgendwann in den Winterschlaf gehen und nicht mehr aufwachen.

Bei rechtzeitiger Aufnahme stehen die Chancen sehr gut, den Igel unter Anleitung aufzufüttern und somit ihn für den Winterschlaf vorzubereiten. 

Anzeichen für kranke Igel:

  • Tagaktiv
  • Abgemagertes Tier, länglicher Körper, eingefallene Flanken, deutliches Absetzen von Hüfte und Schulter, staksiger, hochbeiniger Gang
  • Husten und Röcheln
  • Gangabnormalität (wie z. B. Hinken)
  • Sichtbare Verletzungen
  • Starker Parasitenbefall
  • Befall mit Fliegeneiern und Maden
  • Breiiger, dünnflüssiger, grüner oder blutiger Kot
  • Verminderter Einrollmechanismus
  • Kalter Igelbauch – fühlt sich kälter an als die eigene Hand


Es ist ratsam diese Tiere unverzüglich an sich zu nehmen!

Bei Tieren, die einen unterkühlten Eindruck hinterlassen, sollte man eine Wärmflasche mit ca. 32 Grad warmen Wasser befüllen, ein Handtuch darum herumwickeln und diese in eine Kiste/Karton legen und den Igel daraufsetzten. Die Kiste sollte aber so groß sein, dass der Igel selbstständig von der Wärmflasche runterklettern kann, falls es ihm zu warm wird. Als Schutz für den Igel können Sie ihm ein Handtuch überlegen. Sie können ihm Wasser anbieten sowie fürs erste mit Katzenfutter und etwas Öl und Haferflocken, Rührei ohne Salz oder leicht angebratenes ungewürztes Rinderhackfleisch füttern.

Versuchen Sie auf keinen Fall das Tier eigenständig mit vorhandenen Floh- oder Zeckenmitteln zu behandeln. Igel reagieren sehr empfindlich gegenüber gängigem Spot on Präparaten für Haustiere. Diese Präparate (wie z. B. Frontline, Ivomec, Advantage,  usw.) eignen sich durch die darin enthaltenen Gifte absolut nicht für einen Igel und die schlimmste Folge ist der Tod.

Wichtig: Alle diese Igel sollten auf jeden Fall aufgenommen und der Igelhilfe oder einem igelkundigen Tierarzt vorgestellt werden!