Die kleine Igelhilfe Amelinghausen e.V.

 

Der Igel 

Es gibt in Deutschland zwei Arten von Igeln:

  • Braunbrustigel (Erinaceus europaeus)
  • Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus)

Während der Braunbrustigel im ganzen Land verbreitet und auch hier bei uns heimisch ist, ist hingegen der Weißbrustigel eher selten und kommt nur in wenigen Randgebieten Ostdeutschlands vor. 

Alter: bis zu 7 Jahren

Gewicht: (Erwachsene) 350 - 1500g

Natürliche Feinde: Uhu, Dachs, Marder und Fuchs

Winterschlaf: von Ende Oktober bis Mitte März/ April/Anfang Mai je nach Temperatur 


Verhalten bei Gefahr: Zur Abwehr von Fressfeinden trägt der Igel ein robustes Stachelkleid auf der Oberseite des Körpers und ist in der Lage, sich in einer Gefahrensituation zu einer Stachelkugel einzurollen. Die Fähigkeit sich einzurollen verdanken sie verschiedenen Muskeln. Durch einen sogenannten Ringmuskel sind sie in der Lage die Stachelkugel bis zu vier Stunden geschlossen zu halten.

Ein ausgewachsener Igel besitzt zwischen 6.000 und 8.000 Stacheln. Igelstacheln sind umgebildete Haare. Sie sind hohl und beim erwachsenen Tier etwa 2 bis 3 cm lang und etwa 2 mm dick. Sie bestehen wie Haare und Nägel vor allem aus Keratin (Horn). Durch die so aufgestellten Stacheln ist er fast unangreifbar. Die Farbe der Stacheln variieren von beige bis braun, wodurch er auf dem Boden gut getarnt ist. Jeder einzelner Stachel ist mit einem eigenen Muskel ausgestattet, sodass das Einrollen ein komplexes Zusammenspiel vieler Muskeln ist. 

Geräusche: Igel sind geräuschvolle Tiere. Oft hört man sie durchs Unterholz rascheln, wo sie auf Nahrungssuche sind. Wenn sie etwas zu fressen gefunden haben, schmatzen sie laut und knacken ganze Insektenpanzer sowie Schneckenhäuser. Wenn diese einzelgängerischen Tiere auf Artgenossen treffen, geben sie ein Fauchen, Knurren oder Kreischen von sich.

Lebensweise: Der Igel lebt einzelgängerisch und ist vorwiegend nachtaktiv. Sie haben feste Territorien, die sich überlagern können. Sie haben aber kein territoriales Verhalten, sodass sie Artgenossen, außer zur Paarungszeit, aus dem Weg gehen. In der Paarungszeit sind die Weibchen ortsgebunden, während die Männchen umherstreichen und auf Brautschau gehen. Sie legen nächtliche Strecken bis zu 5 km zurück. Dieses führt auch dazu, dass in dieser Zeit die meisten Igel überfahren werden.

Lebensraum: Der Igel stellt keine hohen Ansprüche an seinen Lebensraum. Wichtig ist ihm, dass er auf kleinstem Raum ausreichend Versteckmöglichkeiten sowie ausreichend Futter findet. Früher war eine abwechslungsreiche und kleinräumige Kulturlandschaft der natürliche Lebensraum. Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft, sind Hecken und Gehölze sowie artenreiche Magerwiesen mittlerweile verschwunden und somit auch die Lebensgrundlage des Igels. Einen neuen Lebensraum fanden die Igel im Siedlungsbereich: Gerade in naturnahen Gärten und Parks finden sie die Strukturvielfalt, die sie brauchen. Den Tag verschlafen sie in selbstgebauten Nestern aus kleinen Ästen, Blättern sowie Reisighaufen. Dort halten sie auch ihren Winterschlaf. Für weitere Informationen schauen Sie bitte unter Tipps für ein igelgerechtes Miteinander.

Nahrung: Igel sind keine Vegetarier! Sie fressen Insekten wie Laub- und Laufkäfer, Nacht- und Tagfalter, Wirbellose wie Regenwürmer und gelegentlich Schnecken, Spinnen, Vogeleier  und kleine Säugetiere. Ihre Nahrung finden sie auf extensiv bewirtschafteten kurz geschnittenen Wiesen, dort können sie die Gegend gut durchstreifen. Auch sich im Totholz befindende Lebewesen bereichern den Speiseplan. Fallobst wird gerne wegen der Maden und Würmer durchstöbert.

Bedrohungen: Die meiste Bedrohung besteht durch den Menschen: durch das zunehmende Verschwinden naturbelassenen Gärten und Grünflächen, dort fehlt ihnen die Unterschlupfmöglichkeit sowie die Nahrung. Ebenso sind chemische Gifte gegen Schnecken und anderen Schädlinge im Garten, sind eine große Gefahr. Sowohl das Gift selber, wie auch die vergifteten Tiere werden von dem Igel gefressen.

Straßenverkehr: Eine der größten Bedrohungen für den Igel ist die Zerschneidung seines Lebensraumes: Immer mehr Straßen werden gebaut, die ihm als unüberwindbare Barriere oft das Leben schwer machen. Jährlich fallen etwa eine halbe Million Igel dem Straßenverkehr zum Opfer.

Gefahr durch den Mähroboter: Mähroboter liegen im Trend. Blühpflanzen, Insekten, Amphibien, Spinnentiere und auch kleine Säugetiere haben keine Chance in unseren Gärten mehr zu existieren. Dazu sind diese Geräte eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Igel und andere Gartentieren. Gerade wenn diese Geräte nachts „arbeiten“, stellen sie eine große Gefahr für die Igel da! Größere Igel überleben einen Mähroboter Angriff meist schwer verletzt und verenden kläglich - die Jungtiere schaffen es gar nicht...


Jahreszeiten
 

Frühling: Der Igel beendet Mitte März bis Anfang Mai den Winterschlaf. Der eigentliche Aufwachvorgang zieht sich über Stunden hin. Viele der Stacheltiere erleben den Frühlingsbeginn allerdings nicht mehr. Gerade bei den Jungtieren ist die Sterblichkeit während des Winters hoch. Diese bei Wildtieren übliche Selektion garantiert, dass nur kräftige, vitale Tiere ins neue Igeljahr starten. Die überlebenden Igel haben durchschnittlich 30% ihres Körpergewichtes verloren und deshalb einen großen Nahrungsbedarf. Bei zu früh erwachten Igeln reicht die witterungsbedingte Menge an vorhandenen Insekten und Würmern aber eventuell noch nicht aus, um die verlorenen gegangenen Reserven wieder aufzufüllen.

In dieser Ausnahmesituation ist es sinnvoll zu zu füttern und zwar so lange, bis das Nahrungsangebot in Form von Insekten, Würmern und Schnecken wieder gegeben ist. Außerdem sollte man eine Schale mit Wasser aufstellen sowie eine gegen Katzen gesicherte Futterstelle einrichten. Ab Ende April beginnt die Brautschau. In der Paarungszeit vergrößern die Igelmännchen ihren Radius. Pro Nacht können sie bis 5 km Wegstrecke zurücklegen. 

Außerdem verbringen die Wintermonate zahlreiche Igel in menschlicher Obhut. Der Grund ist, dass sie als schwache oder meist kranke Jungigel im Herbst gefunden wurden. Ohne menschliche Hilfe hätten diese Igel keine Chance den Winter zu überstehen. Im Frühling kommt die Zeit des Abschieds: Der Überwinterungsgast soll zurück in die Freiheit. Vor der Freilassung werden selbstverständlich erst einmal die abgemagerten Tiere aufgefüttert. Das dauert bei einer guten protein- und fettreichen Ernährung ungefähr 2-3 Wochen. Es ist von großer Wichtigkeit, dass das durch den Winterschlaf verlorene Gewicht wieder angefüttert wird. Der ideale Aussetzungsort ist dort, wo der Igel gefunden wurde, am besten in der frühen Abenddämmerung. Da sie ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis besitzen finden sie sich sehr schnell wieder im bekannten Gebieten zurecht. Wenn der Fundort des Igels der eigene Garten war oder die unmittelbare Umgebung, kann man den Igel noch in den ersten ein bis zwei Wochen mit Katzenfutter zu füttern.


Muss man aber einen kompletten neuen Lebensraum suchen, ist es ratsam die Erfahrung und Hilfe von Fachleuten, Igelstationen oder Naturschutzvereinen zu suchen, um gemeinsam ein geeignetes Umfeld zu finden.

Der Igel im Sommer: In wärmeren Gegenden Deutschland haben die Igelweibchen bereits im Juni/Juli ihre Jungen. Die Hauptwurfzeit der Igel ist der Monat August bis September. Ihre Gelege befinden sich unter Büschen, in Hecken oder unter Laub- und Asthaufen. Es kommt aber auch vor, dass sie unter Planen, oder anderen Materialien (z. B. gestapeltes Kaminholz und Komposthaufen) ihre Jungen zu Welt bringen. Aus diesem Grund sollte man diese Standorte so belassen, um den Igeln eine erfolgreiche Aufzucht der Jungen zu ermöglichen. Sollten sie dennoch auf so ein Nest stoßen, so bitten wir sie nichts zu verändern und sich rasch zu entfernen. Igelmütter sind sehr stressanfällig und es kann vorkommen, dass sie das Nest verlassen und somit auch die Jungen.

Der Igel im Herbst: Ab Herbstbeginn möchten viele Igelfreunde dem stacheligen Gartenbewohner helfen und ihn für die Wintermonate unterstützen. Mancher Tierfreund glaubt sogar, jeder gesichtete Igel braucht Hilfe und muss eingesammelt werden. Das führt dazu, dass zahlreiche Igel der Natur ohne Notwendigkeit entnommen werden. Das ist gesetzwidrig! Am besten unterstützen Sie, in dem Sie ihren Garten naturnah gestalten. Unter Büschen und Hecken finden Igel Nistmaterial und Winterquartiere. Blätterhaufen sollten Sie bestehen lassen. Zusätzlich können Sie ein Igelhäuschen an geschützten Stellen platzieren!Durch das Einrichten einer Futterstelle kann man vielen Igeln, vor allem den Jungtieren im Herbst helfen das nötige Winterschlafgewicht (600 -750g) zu erreichen. Aber auch Altigel, gerade die Igelweibchen die durch die Jungenaufzucht Gewicht verloren haben, sind dankbar für ein Zubrot.

Der Igel im Winter: Der Winter ist die nahrungsarme Zeit. Die Igel überbrücken diese, in dem sie Winterschlaf halten. Sie bauen sich unter stützenden Strukturen wie Hecken oder Gebüsch, aber z.B. auch unter Holzstapeln ein warmes Nest, sodass ihre Körpertemperatur nie unter den Gefrierpunkt sinken sollte. Als nötige Heizung dient dem Igel das im Sommer und Herbst gespeicherte Körperfett, welches er dann verbrennt.

Der Stoffwechsel wird runtergefahren und bis auf ein Minimum aufrecht erhalten. Die Igelmännchen sind die ersten, die schlafen gehen, dieses geschieht meist schon Ende Oktober. Dann, ungefähr einen Monat später, folgen die Weibchen und ganz zum Schluss die Jungtiere. Sie suchen am längsten nach Nahrung und haben die meiste Mühe sich den nötigen Winterspeck anzufressen.

Nicht allen Jungtieren gelingt das. So irren bei Frost und Schnee immer wieder kleine, abgemagerte Igel umher – zum Tode verurteilt. Aber auch Erwachsene, hilfsbedürftige Igel, die krank, verletzt oder unterernährt sind, trifft man dann meist tagsüber in der Winterzeit an.  

 

Wichtig: Kranken Igeln hilft das beste Futter nicht. Wenn ein kleiner Igel oder abgemagerter Igel allabendlich die Futterstelle aufsucht und nicht zunimmt, muss er unbedingt der Igelhilfe oder einem igelkundigen Tierarzt vorgestellt werden!