Die kleine                  

Igelhilfe Amelinghausen e.V.

Basics zum Winterschlaf 

(mit freundlicher Genehmigung von unserer Kollegin Steffi Riemer - Igelhilfe Schöffengrund/Weilmünster)

Igel sind neben den Fledermäusen die einzigen Winterschläfer unter den Insektenfressern. Sie überbrücken die kalte Jahreszeit, in der sie keine Nahrung finden (unter 8 Grad sind die Insekten nicht mehr aktiv), mit einem Winterschlaf. Dieser dauert bis zu 5 oder sogar 6 Monate! Sie bauen ein kugelförmiges Nest, wetterfest und gut wärmeisoliert. Dort liegen sie eingerollt zu einer Stachelkugel und verbleiben wochen- oder monatelang in dieser Haltung.

Je nach Witterung gehen die Männchen schon im Oktober schlafen, danach die Weibchen ( nach dem sie sich von der Aufzucht ein Fettpolster angefressen haben) und zum Schluss (oft erst Ende November) die Jungtiere.

Auslöser für den Winterschlaf:

  • Nahrungsmangel
  • sinkende Außentemperatur
  • abnehmende Tageslichtlänge
  • hormonelle Umstellung

Was passiert im Körper?

Die Körpertemperatur sowie sämtliche Stoffwechselvorgänge werden radikal runtergefahren.

  • Körpertemperatur von 36 Grad auf 1-8 Grad
  • Atemfrequenz von 40/50 auf 1-2 Atemzüge pro Minute
  • Herzfrequenz von 280/320 auf 5 Schläge pro Minute

Die Werte in den inneren Organen verändern sich, z.B. der Blutzuckerspiegel sinkt rapide ab. Kurze Unterbrechungen des Schlafes sind normal; der Igel erwacht kurz, bleibt im Nest und schläft bald weiter.

Die größte Energie benötigt der Igel in der Aufwachphase, die bei anhaltend warmen Temperatur über 8 Grad eingeleitet wird und mehrere Stunden dauert. Hier wird das sogenannte „braune Fett“ benötigt, welches zwischen den Schulterblättern ist.

Diesen enormen Energieaufwand schafft nur ein Igel, der zuvor schon mit einem ausreichenden Gewicht schlafen gegangen ist. Untergewichtige Tiere wachen also nicht mehr auf.

Deswegen ist das Startgewicht von einer so entscheidenden Bedeutung.

Der Igel verliert während des Winterschlafes bis zu 30% seines Körpergewichtes.

Wie können wir den Igel unterstützen?

  • Zufütterung bis tief in den November hinein
  • Laub liegen lassen
  • Beschnitt vom Herbst zu einem Totholzhaufen aufschütten

Wenn der Igel die Wahl hat, zwischen einem Naturunterschlupf und einem Igelhaus, dann nimmt er nach meinen Erfahrungen viel lieber den natürlichen Unterschlupf. Trotzdem kann gerne ein Igelhaus aus Holz angeboten werden. Dieses bitte mit Stroh befüllen (kein Heu, dies schimmelt zu schnell)

Untergewichtige Tiere müssen gesichert und bei Zimmertemperatur auf das erforderliche Gewicht gebracht werden.

Viele Tiere werden von uns nach Krankheit kontrolliert überwintert.

Das kontrollierte Überwintern geschieht immer bei Außentemperatur!

Wer behauptet, und das geschieht leider sehr oft, ein Igel bräuchte keinen Winterschlaf, der greift entscheidend in die Biologie und das Gesundheitssystem des Igels ein. Diese Tiere sind anschließend vollkommen verhaltensgestört und ich sage sogar –gebrochen--. Ich hatte einige Tiere, die vergessen hatten, dass sie ein Wildtier sind.

Also, lieber einen kurzen Winterschlaf, als gar keinen! 

Liebe Grüße

Steffi Riemer - Igelhilfe Schöffengrund/Weilmünste






Sie haben die Möglichkeit Ihren "Fundigel" selber zu überwintern?

Nehmen Sie bitte unbedingt trotzdem Kontakt zu uns auf! Jeder Fundigel sollte von einer Igelstation oder von einem igelkundigen Tierarzt im Vorfelde einmal gründlich untersucht werden. Sammeln Sie frischen Kot des Fundtieres und reichen Sie diesen bei Vorstellung in einer Station oder dem Tierarzt mit ein. Nur so können wir mögliche Erkrankungen und Schwierigkeiten in der Überwinterung ausschließen!

Wir beraten Sie gerne: antje.fabrizius-voigt@igelhilfe-amelinghausen.de.

1. Überwinterung in einem geschlossenen Raum:

Dies gilt für Igel, die nicht das Idealgewicht (Jungigel mind. 600g für Weibchen und 700g für Männchen) für den Winterschlaf erreicht haben. Oder aus gesundheitlichen Gründen nicht den Winterschlaf halten können.

Bedingungen: Es ist von großer Wichtigkeit, dass der Überwinterungsraum ein Fenster mit deutlichem Tageslichteinfall aufweist. Der Igel muss den Unterschied von Tag und Nacht erkennen, da er sonst aus seinem Schlafrhythmus gerät. Auch sollte in diesem Raum Ruhe herrschen. Igel sind sehr geräuschempfindliche Tiere.

Der Raum sollte eine Temperatur von 18 °C bis 20 °C haben. Geeignet ist ein Kleintierstall mit mindestens 120 cm x 60 cm Grundfläche. Alternativ können mehrere zusammengefügte große Umzugskartons verwendet werden, oder man baut aus Holz einen großen Auslauf, der mindestens 50 cm hoch ist. Je größer ein Auslauf ist, umso besser. Als Untergrund sollte Zeitungspapier (kein Kleintierstreu, Katzenstreu oder ähnliches) verwendet werden!

Hinein gehört ein Unterschlupf, z. B. ein Karton mit einem Eingang von 10 x 10 cm. Als Füllmaterial reicht zerknülltes Zeitungspapier.

Zur Fütterung benötigt man Untertassen aus Keramik, Ton oder Glas. Möglichst kein Plastik, diese sind zu leicht und werden umgestoßen. Dazu kommt, dass Plastik, welches nicht lebensmittelecht ist, Stoffe abgibt und somit die Gesundheit schadet. Als Trinkgefäße haben sich Kompottschälchen bewährt

Die Futtermenge richtet sich jeweils nach Gewicht, Größe und Alter des Igels.

Jungigel benötigen ca. 100 - 150g Nassfutter, ein erwachsener Igel ca. 200 - 250g Nassfutter.

Was frisst ein Igel?

  • Katzenfutter mit einem hohen Fleischanteil (z. B. Animonda „Carny“, Smilla), ohne Soße in Pastetenform - hierzu beraten wir Sie gerne.
  • Rührei oder gekochtes Ei ohne Salz oder Gewürze
  • angebratenes Rinderhack
  • Hühnerfleisch ( abgekocht) mit Knochen
  • getrocknete Insekten (findet man im Bereich Vogelfutter) zum untermischen
  • Katzentrockenfutter (Kitten) für den Winter
  • Öl (Lein/Raps/Kokos/ Oliven/Hanföl)

Wir empfehlen außerdem eine Schale mit Katzentrockenfutter für Kitten (z. B. Minette von Josera) rund um die Uhr bereitzustellen. Dazu gehört immer eine Schale mit frischem Wasser!

Der Zeitpunkt der Fütterung sollte immer in den Dämmerungszeiten liegen. Gegeben falls kann man morgens früh noch einmal eine kleine Portion nachfüttern. Gerade bei mageren Igeln hat sich dies gut bewährt.

Hygiene steht an oberster Stelle. Am besten reinigt man gleich morgens das Gehege (alle Zeitungen raus), spült die Näpfe mit kochendem Wasser und tauscht das zerknüllte Zeitungspapier im Schlafhaus aus.

Achtung: Falls der Igel Durchfall bekommt, grünen oder schleimigen Kot absetzt, matt wirkt, kalt ist, Gewicht verliert, Fressen verweigert, tagaktiv ist usw. bitte umgehend bei einer Igelpflegestelle melden!

2. Überwinterung im Garten mit Winterschlaf

Die Igel können den ganzen Winter in den beaufsichtigten Winterschlaf geschickt werden.

Hat der Igel das Winterschlafgewicht durch die Zufütterung erreicht (Jungigel Weibchen mindestens 600 g, Männchen mindestens 700g) geht man wie folgt vor:

Als Überwinterungsquartier haben sich ausrangierte Hasen- bzw. Kleintierstall mit bereits vorhandenem Unterschlupf, fertige Igelhäuser aus Holz, oder selbstgebaute Igelhäuser (siehe Bilder) bewährt. Als Untergrund für die Häuser haben sich Gehwegplatten bewährt.

Maße Schlafhaus: Breite 40 cm, Länge 60 cm, Höhe 30 cm, Material Kiefernholz. Dach (z. B. Siebdruckplatte), Eingang Rohr mit 10 cm Durchmesser. Hier sollte man das Haus in einen kleinen Auslauf stellen. Dieser sollte mindestens 50 cm hoch eingefriedet sein.

Unterschlüpfe aus Kunststoff oder generell Plastik eignet sich hier nicht. Es besteht die Gefahr, dass zu viel Feuchtigkeit entsteht. Als Standort eignet sich ein geschützter Bereich, der nicht in der Sonne liegt. Es kann sonst zu warm im Igelhaus werden und der Igel wacht auf. Als Füllmaterial eignet sich hier Stroh sowie zerknülltes Zeitungspapier.

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